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Yo Adrian, I did it!

Videoinstallation
3:36 min
3 Kanal, HD 1080p
Dolby Digital 3.1, deutsch
Deutschland, Niederlande 2011

Die Arbeit wurde unterstützt von TENT Rotterdam


Synopsis

Als würde Rocky sein(e fünf Film-)Leben noch einmal vor dem Spiegel durchgehen und all die Kämpfe resümieren, hat Jan Bode ein resigniertes bis verzweifeltes Rechtfertigungsdrama aufgeführt. Es sind nicht die Kämpfe im Ring, sondern die, die ihn zum Kampf im Ring geführt haben. „Ich muss tun, was ich tun muss“ heißt es am Ende des ersten von fünf Epilogen. Rocky also hat einen Auftrag, eine Bestimmung. Hat er ihn erfüllt, wenn es heißt: “Yo, Adrian, I did it!”

Die Videoinstallation von Jan Bode basiert auf der Filmreihe Rocky Balboa, 1976/79/82/85/90. Rocky ist die Hauptfigur, Jan Bode spricht ihn selbst im mittleren Bildschirm. Adrian Pennino Balboa, seine Frau, Apollo Creed in der Rolle seines ehemaligen Konkurrenten, jetzt Trainers und Freund, sowie sein Herausforderer James „Clubber“ Lang reden, teilweise gleichzeitig, von rechts und links auf ihn ein. Auch diese wechselnden Rollen verkörpert Jan Bode – und zeigt damit, wie sehr Rocky seine und auch die Rolle der anderen in sich trägt. So muss er im 5. Epilog einsehen, dass er letztlich allein ist – und bleiben soll? „Tu es, tu es nur für dich, für dich allein.“

Die Szenen, die Jan Bode ausgewählt hat, sind keine geraffte Zusammenfassung der Filme, sie beschäftigen sich vielmehr ausschließlich mit der Suche nach der Identität des Helden und dessen gesellschaftlich tradierter Geschlechterrolle als Mann. Es geht ihm um die mediale Inszenierung der Bestätigung in dieser Rolle durch die gleichzeitige Hinterfragung ihrer Aktualität in einer emanzipierten Gesellschaft. Denn die erwartet von ihren Neuen Männern schon längst nicht mehr dieses veraltete Männerbild von Härte, Konkurrenz und Poker-Face. Oder doch?

Mit kämpferischem Engagement führt er die Dialoge. Es ist, als wolle er sich fit machen. Gleichzeitig zermürbt ihn dieser innere Monolog, wenn er spürt und bekennt, dass er Angst hat, wenn er einsehen muss, dass er verloren hat: „Ich muss boxen / Ich kann sonst nichts.“ Immer wieder aber scheint auch eine Selbstgefälligkeit auf, die die Hilflosigkeit und Tragik seines Kampfes deutlich werden lässt – und ihm damit Recht gibt. „Wir sind Kämpfer / Ein Mann kann sich nicht ändern / Wir können nur so leben wie wir sind.“

Worum eigentlich geht es in dem Kampf? Denn es ist nicht der materielle oder der Publikums-Erfolg, auch nicht der familiäre, den Rocky erzielen will, der ihn definiert und zufrieden stellt, es geht um Selbstbehauptung und einen imaginären Sieg gegen sich selbst, voller Anstrengungen und Schmerzen, um den Sieg über einen vermeintlichen Besseren (Mann).

„Wir haben nun mal keine andere Wahl. Wir sind mit dem Instinkt eines Kämpfers zur Welt gekommen. Den kann man nicht einfach abschalten. So wie ein zu lautes Radio. Wir müssen uns immer wieder der Herausforderung stellen, denn wir sind Kämpfer.“

Da ist es wieder: der Mann als Mann ist seinem Schicksal ausgeliefert. Und so dreht sich das Hamsterrad der Selbstrechtfertigung – wie der Loop in diesem Monolog und verwischt dabei, wo der Anfang und das Ende, wo ein Anhalten ist. Oder doch? „Viele Menschen haben auch keine andere Wahl – ich schon.“

(Text: Bernhard Balkenhol)

 


Quellen:

Rocky II
Written and directed by Sylvester Stallone
(© 1979 by Chartoff-Winkler Productions / United Artists)

Rocky III
Written and directed by Sylvester Stallone
(© 1982 by Chartoff-Winkler Productions / United Artists)

Rocky IV
Written and directed by Sylvester Stallone
(© 1985 by Chartoff-Winkler Productions, Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), United Artists)

 

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